Nachdem ich mich in den letzten fünf Jahren stets alleine auf den Weg zu meinem sportlichen Jahreshighlight auf den Weg ins Hochpustertal gemacht hattte, sollte mich dieses Jahr mein langjähriger Trainingspartner Nils begleiten. Eigentlich sollte es bereits im Jahr 2024 gemeinsam hinauf zur Dreizinnenhütte gehen, aber leider sollten uns zwei Verletzungen meines Begleiters einen Strich durch die Rechnung machen.
Trotz eher durchwachsener Vorbereitung (die vielen Wochenenden an unserem Wiener Projekt wirkten sich gerade in den letzten Monaten nicht gerade trainingsfördernd aus) freute ich mich riesig auf die inzwischen sechste Teilnahme am landschaftlich wohl schönsten Berglauf in den Alpen.
War es unser ursprünglicher Plan am Freitagmorgen relativ früh in Richtung Süden zu starten und noch eine gemütliche Wanderung vom Rifugio 5 Torri hinauf zum Rifugio Nuvolau zu machen, um uns einerseits zu akklimatisieren, andererseits um Nils die Schönheit der "Bleichen Berge" in ihrer vollen Pracht näher zu bringen. Leider sollten wir aus verschiedenen Gründen erst gegen zehn loskommen, so dass es letztendlich nichts mit unserem Plan werden sollte. Alternativ entschieden wir uns dann aber für einen kleinen Roadtrip (entlang der Strecke zu den 5 Torri) über Alta Badia, wo wir im Sarè eine gemütliche Kaffeepause einlegten (boah, da wurden bei mir Kindheitserinnerungen wach), den Passo Valparola und den Passo Falzarego weiter nach Cortina, von wo aus es über den Passo Tre Croci (von wo aus ich im vergangenen Jahr am Tag vor dem Drei Zinnen Lauf zum Lago di Sorapes gestartet war) und den Lago di Misurina und den Dürrensee (ein kurzer Stopp beim kurz dahinter gelegenen "Drei-Zinnen-Blick" durfte natürlich nicht fehlen) letztendlich ins Hochpustertal ging.
Nachdem wir uns einen ruhigen Parkplatz zwischen Helmbahn und Haus Sexten gesucht hatten, kümmerten wir uns erst einmal um unsere Startunterlagen und unsere Kleidersäcke, ehe wir uns daran machten unser Nachtlager in Nils Touran fertig zu machen. Anschließend ging es dann per pedes zum/zur Restaurant Pizzeria Erich, wo ich das erste Mal meine Pizza Diavola vor Ort genießen sollte. Für Nils sollte es eine ordentliche Portion Spaghetti Bolognese geben... 😏 Rundum zufrieden ging es gegen zehn zurück in Richtung Helmbahn, wo wir uns alsbald in die Wagerechte begaben.
Knapp sieben Stunden später hieß es dann auch schon wieder aufstehen. Wie auch in den letzten Jahren meldete sich bei mir auch diesmal wieder eine gewisse Anspannung bemerkbar; eigentlich wollte ich in diesem Jahr noch einmal versuchen unter zweieinhalb Stunden zu bleiben, jedoch verwarf ich dieses Ziel in den Tagen vor der Abreise ins Hochpustertal, hatte ich doch sowohl mit meiner Psyche als auch mit meinem Körper arg zu kämpfen... Druck rausnehmen und gut oben ankommen war fortan mein neues Ziel. Bevor es aber in die heiße Phase gehen sollte, zog es uns erst einmal ins Zentrum von Sexten, wo neben der Bäckerei Trenker auch diesmal die Pfarrkirche Petrus und Paulus, sowie das Familiengrab der Familie Innerkofler (Sepp Innerkofler wurde nicht nur durch die Erstbegehung der Nordwand der Kleinen Zinne bekann, sondern auch für den erfolgreichen Bewegungskrieg, den er aufgrund genauer Ortskenntnis und alpinistischer Fähigkeiten organisierte - Innerkofler fiel am 4. Juli 1915 beim Versuch, den von italienischen Alpini besetzen Gipfel des Paternkofels zurückzuerobern) besucht wurden (getreu dem Motto "never stop a running system"). Zurück am Auto wurde noch schnell gefrühstückt, ehe es langsam aber sicher Zeit wurde die Laufklamotten anzuziehen und sich warm zu machen.
Rund zehn Minuten vor dem Startschuss gesellten wir uns dann langsam aber sicher zu den gut fünfhundert Athletinnen und Athleten; es tat gut, sich diesmal vor dem Lauf noch einmal gegenseitig zu motivieren... Während den meisten Läufern beim Einklatschen der letzten zwei Minuten die Freude deutlich anzusehen war, kämpte ich diesmal ziemlich heftig mit meiner aktuell doch ziemlich aus den Fugen geratenen Gefühlswelt... Um mir und meinem Körper unnötigen Druck zu ersparen, ließ ich es in diesem Jahr auf den ersten Kilometern bewusst etwas langsamer angehen; letztendlich sollte ich bis zur Zeitmessung bei der Talschlusshütte im Gegensatz zum Vorjahr (wo es ja zum ersten Mal auf der neuen Route in Richtung Fischleinbodenhütte ging) keine dreißig Sekunden verlieren. Überaus zufrieden war ich mit meiner Leistung auf dem zweiten Streckenabschnitt (über den auch diesmal wieder kräftezehrenden Serpentinenweg) hinauf zur Zsigmondyhütte, wo wir auch diesmal musikalisch "Willkommen" geheißen wurden. Gerade in diesem Jahr war das wahrlich Balsam für meine Seele. An dieser Stelle möchte ich auch mal all denjenigen danken, die am Rand der Strecke mit Klatschen und aufmunternden Worten den Teilnehmern dieses wirklich einzigartigen Berglauf Tribut gezollt haben... Vergelts Gott! Ordentlich zu kämpfen hatte auf dem weiteren Weg hinauf zur Büllelejochhütte, zumal die linke Wade immer mal wieder drohte zuzumachen. So wurde an der letzten Verpflegungsstation auf der Strecke nicht nur der Flüssigkeits- und Energiehaushalt ein letztes Mal aufgefüllt, sondern auch kurz aber ordentlich gedehnt. Letztendlich sollte der finale Streckenabschnitt hinunter Richtung Bödenseen und schlussendlich wieder hinauf zur Dreizinnenhütte deutlich besser als gedacht, und so sollte ich die Ziellinie letztendlich mit einer Zeit von 2:34:05 (und damit fast zweieinhalb Minuten schneller als beim letzten Mal) überschreiten. Kaum hatte ich meine Finisher Medallie erhalten übermannten mich meine Gefühle; Minutenlang kullerten die Tränen...
Nachdem ich mich wieder einigermaßen gesammelt hatte, tauschte ich meine Laufklamotten gegen warme Sachen, ehe ich mich am Rand der Laufstrecke (wollte ich Nils doch auf den letzten Metern ins Ziel begleiten) mit Blick auf die Zinnenseen niederließ; hier wurden die folgenden "Finisher" sowohl von den Zuschauern als auch von den bereits angekommenen Athleten auch diesmal wieder lautstark gepusht.
Zusammen mit Nils, der etwa eine dreiviertel Stunde nach mir bei der Dreizinnenhütte eintraf, ging es anschließend auf das Plateau etwas unterhalb der Hütte, wo wir mit Blick auf die Drei Zinnen, den Paternkofel und all die anderen majestätischen Gipfel rundherum die Seele noch rund anderthalb Stunden baumeln ließen. Tat gut, diesmal nicht alleine hier oben zu sitzen.
Um viertel nach zwei wurde es langsam Zeit den Weg zurück ins Tal anzutreten, wollten wir doch einigermaßen pünktlich zur Siegerehrung zurück in Sexten sein... Bei den Damen triumphierte in diesem Jahr die Kenianerin Gloria Chebet (mit einer Zeit von 1:41:11) vor ihrer Teamkollegin Miriam Chepkirui und Arianna Del Pino. Bei dern Herren setzte sich mit Elija Kamau Kariuki (1:25:41) ebenfalls ein Kenianer durch; auf den Plätzen zwei und drei folgten Josphat Kiprotich Tuei und Tiziano Moia.
Auch in diesem Jahr richte ich meinen abschließenden Dank an das Organisationskomitee, die zahlreichen Helfer und an Fabian Watschinger.
Den 11. September 2027 habe ich mir bereits fett im Kalender angestrichen; dann heißt es zum dreißigsten Mal "Herzlich Willkommen beim Südtirol Drei Zinnen Alpin Run!"
Meine "harten" Fakten
Start: 09:00
Talschluss: 09:46;22 - 6. Altersgruppe M50 - 87. Overall
Zsigmondy: 10:35:22 - 9. Altersgruppe M50 - 103. Overall
Ziel: 11:34:05 - 16. Altersgruppe M50 - 134. Overall
Teilnehmer Männer Altersgruppe M50: 44 (43 im Ziel)
Teilnehmer Manner Overall: 341 (338 im Ziel)


















































