Ursprünglich war mein Job, für den Tag der Deutschen Einheit eine "familientaugliche" Tour zu suchen, da Tims Eltern, die in der Woche in Hebertshausen zu Gast waren, noch mal in die Berge wollten. Eigentlich keine all zu schwere Aufgabe, aber da der Wetterbericht wenig Gutes zu vermelden hatte, blieben nicht all zu viele Ecken, an denen es zumindest nicht regnen sollte. Nachdem ich sowohl am Dienstagabend als auch am Mittwochvormittag fast stündlich die Wetterprognosen auf bergfex.de (in meinen Augen die beste Seite, wenn es ums Wetter in den Bergen geht) für alle relevanten Regionen gecheckt hatte, entschied ich mich für eine Tour aufs Trainsjoch (bis 16 Uhr kein Regen; unterwegs mit Einkehrmöglichkeit und auf dem Heimweg noch die Option "Winklstüberl"). Letztendlich für die Katz, da Familie Schwennicke kurzerhand die Pläne geändert hatte; der Blick auf die Wetter App hatte wohl eine abschreckende Wirkung... Schade um die vielen Stunden, die ich mir den Kopf zermartert hatte; mein neuer Plan war erst mal abwarten, und am Abend 'ne Tour für mich (Ida hatte inzwischen was mit einer Freundin ausgemacht, so dass ich mich nach niemandem mehr richten musste - Bele erkundete übrigens in der Woche mit einer Freundin Elba und kam zu dem Schluss, dass wir da auf jeden Fall noch mal zusammen hin müssen!) in der Ecke auszusuchen, die letztendlich das beste Wetter zu bieten hatte. Und so viel die Wahl letztendlich auf eine erneute Besteigung der Benediktenwand (bergfex versprach sternenklaren Himmel; bis Mittag sollte es leicht bewölkt mit sonnigen Momenten sein, ehe es gegen Nachmittag mehr und mehr zuziehen sollte). Um das Wetter bestmöglich auszunutzen startete ich um halb fünf in Richtung Benediktbeuren; um die Parkgebühr von acht Euro zu sparen, nahm ich gerne ein paar hundert Meter "Extrastrecke" auf mich (gut, wenn man zu solch unchristlicher Zeit startet, denn viele Parkmöglichkeiten gibt es am Rande der Parkverbotszone nicht). Mit leichtem Gepäck (schließlich war geplant, einen Großteil der Strecke - gerade auf den Forstwegen - laufend zu absolvieren) und Stirnlampe startete ich um kurz nach halb sechs... Leider sollte ich zwischen Kilometer vier und fünf einen größeren Stein übersehen, was mir einen ordentliche Bruchlandung bescherte; einen Augenblick hatte ich das Gefühl, dass im linken Knie (das ja schon länger Probleme macht) jetzt endgültig alles kaputt ist, aber nach ein paar Minuten auf allen Vieren und den ersten zaghaften Gehversuchen, folgte erstmal Entwarnung. Umkehren oder weitergehen (an Laufen war in diesem Moment nicht zu denken) hieß nun die folgenschwere Frage. Wer mich kennt, der weiß, dass die Vernunft einmal mehr den Kürzeren ziehen sollte, und so ging es (mit einem "leichten" Ziehen im Knie) weiter bergauf. Überraschenderweise ließ der große Schmerz langsam aber sicher nach, so dass ich das Tempo ab Kilometer sieben langsam wieder steigern konnte... 😅 Kurz nachdem ich die Tutzinger Hütte passiert hatte, kam tatsächlich die Sonne raus; bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht verkehrt. Leider sollte das Vergnügen nur von kurzer Dauer sein (und das, obwohl der Himmel auch in der Folgezeit immer wieder blaue Abschnitte vorweisen konnte); hinzu kam mit zunehmender Höhe ein überaus unangenehmer kalter Wind. Knapp drei Stunden nachdem ich meine Trailrunnig Schuhe geschnürt hatte, stand ich (trotz Handicap) bereits am Gipfelkreuz, wo ich mich aber aufgrund der eisigen Temperaturen nicht sonderlich lange aufhielt. Zur wohlverdienten Pause verzog ich mich ins Gipfelbiwak; wirklich war es da drinnen auch nicht, aber ich musste wenigstens keine Angst haben, vollends auszukühlen. Auf dem Abstieg zur Tutzinger Hütte über die einfachere Westseite kamen mir nicht nur die ersten (und bis zurück auf den Forstwegen auch einzigen) anderen Wanderer entgegen, sondern auch der eine oder andere Steinbock "kreuzte" meinen Weg; welch prachtvolle Tiere! Zurück auf den Forstwegen verfiel ich dann zumindest zeitweise wieder ins Laufen, so dass ich nach exakt sechs Stunden (inklusive Pausen) und etwas mehr als dreiundzwanzigeinhalb Kilometern zurück beim Auto war. Beim Wechseln meiner Wanderhose gegen die gemütliche Short kam ich dann in den "Genuss", mein geschundenes Knie in voller Pracht zu begutachten. Bleibt zu hoffen, dass es letztendlich nur bei einer ordentlichen Prellung bleibt, und nicht doch noch das böse Erwachen folgt...
Posts mit dem Label Benediktenwand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Benediktenwand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 4. Oktober 2024
Samstag, 12. September 2020
Benediktenwand 12. September 2020
Die Benediktenwand stand schon ewig auf meiner Liste, und an diesem Wochenende sollte es nun endlich soweit sein... Als mein Wecker um kurz vor vier das erste Mal (ein weiterer Anlauf - Ihr könnt Euch denken, dass Bele davon alles andere als begeistert war) läutete, stellte ich mir kurz die Sinnfrage, zwanzig Minuten später befand ich mich jedoch voller Vorfreude auf dem Weg nach Benediktbeuren. Stockdunkel war es, als ich mich zwei Minuten nach halb sechs, "bewaffnet" mit Rucksack und Stirnlampe, vom Wanderparkplatz auf den Weg machte. Vom Lainbach, der mich die ersten Kilometer begleiten sollte, bekam ich (außer vom stetigen Rauschen) eher wenig mit, setzte die Dämmerung doch erst auf dem letzten anderthalb Kilometern vor der Materialseilbahn ein. Unmittelbar vor der Seilbahn biegt der Weg links ab und führt fortan in Serpentinen durch einen Bergwald empor. Dieser lichtet sich kurz vor der Tutzinger Hütte und gibt den Blick auf die eindrucksvollen Nordabstürze der Benediktenwand frei. Ein Stück hinter der Hütte gabelt sich der Weg. Ich entschied mich, der Empfehlung von hoehenrausch.de folgend, für den Aufstieg über die Ostseite. Entlang an den Felswänden folgte ich dem teils steilen Pfad hinauf zum Sattel. Hier erwarten mich nicht nur die ersten Sonnenstrahlen, sondern auch ein paar Drahtseile, die mir bisweilen über die steilen, großteils abgetretenen "Steilstücke" helfen. Unmittelbar nachdem ich die "Schlüsselstelle" gemeistert hatte, traf ich auf zwei junge Steinböcke; spätestens jetzt wusste ich, dass ich definitiv alles richtig gemacht hatte! Nachdem ich die beiden Gesellen rund zwanzig Minuten beobachtet hatte, ging es über das latschenbewachsene Plateau weiter zum Gipfelkreuz, das ich nach exakt dreieinhalb Stunden Gehzeit (na ja, eigentlich waren es ja nur drei Stunden und zehn Minuten) erreichen sollte. Ein Blick hinunter auf die Tutzinger Hütte (die gefühlt direkt unter dem Gipfel liegt), und schon genieße ich die Aussicht auf die umliegende Bergwelt während ich mir in aller Ruhe (die meiste Zeit während meines Gipfelaufenthalts bin ich für mich allein) meine Brotzeit schmecken lasse. Traumhaft! Mein weiterer Weg führt mich anschließend über die Westseite der Benediktenwand zurück zur Tutzinger Hütte. Hier fühle ich mich gerade im unteren Teil wie auf einer "Autobahn", kommen mir doch im Minutentakt zahlreiche Bergsteiger entgegen. Bis zur Materialseilbahn folge ich dem, vom Aufstieg bereits bestens bekannten Weg, biege danach aber in Richtung Kohstattalm ab, da mir dieser Weg interessanter erscheint. Rund zwei Kilometer vor meinem Ziel mache ich in einem (eigentlich trockenen) Bachbett noch die unliebsame Begegnung mit einem Matschloch; wenigstens bleibt mein Schuh (für den Weg von der Tutzinger Hütte ins Tal hatte ich vom Bergstiefel auf Laufschuh umgestellt) nicht stecken...
Abonnieren
Kommentare (Atom)
Seebergkopf 14. März 2026
Da der Freitag aus diversen Gründen als (wöchentlicher) Bergtag nicht in Frage gekommen war, hatte ich das Thema Berge für dieses Wochenende...
-
Es war Ende März, als mir meine Südtiroler Kollegin Tina einen Link für den acht-gipfel-marsch per WhatsApp schickte; keine zwei Tage späte...
-
Nachdem es in den letzten vier Wochen mit den Bergen aus unterschiedlichsten Gründen nicht klappen sollte, musste es an diesem Wochenende en...
-
Auch dieses Jahr sollte es Ostern nicht nach Südtirol gehen (nächstes Jahr ist es dann aber wieder soweit; Stand heute); da wir mit der Plan...






